Hallo,
nun bin ich schon seit einigen Wochen wieder daheim und habe es bisher nicht geschafft einen Beitrag über die letzten Tage in Ruanda und die ersten Tage in Deutschland zu verfassen.
Es war schmerzhaft Abschied aus Ruanda zu nehmen und doch hatte ich kaum Zeit mich wirklich mit dem Abschied auseinander zu setzen, da die letzten Tage in Kigali sehr stressig waren. Es galt, nichts zu vergessen, noch viele Freunde und Bekannte zu treffen, seinen Arbeitsplatz zu räumen und die Koffer zu packen. Dazu kamen noch die Vorbereitungen für meine Abschiedsfeier usw.. Es war wirklich alles voll gepackt, so dass ich schon da keine Zeit hatte auch nur einen Satz zu schreiben. Meine Abschiedsfeier war sehr schön und ich genoss es noch einmal alle Menschen zu sehen, die mir in dem einen Jahr ans Herz gewachsen sind. Auch meine Kollegen waren mit von der Partie und überraschten mich mit einem tollen Buch über Ruanda und einem Zertifikat, in dem sie mich zu einem der besten Freiwilligen kürten, der jemals im Büro war. Es trieb mir beinahe die Tränen in die Augen und ja ich hatte das Gefühl, dass meine Mitfreiwillige und ich unser Bestes gegeben haben, mit einer solchen "Auszeichnung" habe ich dann aber doch nicht gerechnet. Und es ist toll wenn man Anerkennung für das Geleistete bekommt auf der anderen kann ich nur immer erwähnen, wie die ruandischen Kollegen zur Arbeit der Partnerschaft beitragen. Ohne sie würde da nichts laufen!
Die Zeit des Abschieds kam schnell und besonderst bei meinen beiden weiblichen ruandischen Kollegen fiel es mir richtig schwer. Man hat ein Jahr jeden Tag zusammen gearbeitet und hat den Gegenüber intensiv kennen gelernt. So viele tolle Momente gab es mit diesen Menschen, ob bei Projektbesuchen, im Büro oder in privater Umgebung. Ich werde die Augenblicke nie vergessen und freue mich bereits jetzt auch meine Rückkehr nach Ruanda! Auch wegen vielen lieben Freunden mit denen ich den Großteil meiner Freizeit ( vor allem abends) verbracht habe. Doch die Möglichkeiten des Internet werden uns zur Seite stehen, um Kontakt zueinander zu halten.
Der letzte Tag in Ruanda, ein Samstag, bestand am Vormittag vor allem aus der Spurenbeseitigung von der Abschiedsfeier und setzte sich fort mit einigen letzten Erledigungen (kurzer Besuch auf dem Markt und unseren lieben Marktfrauen) und dem Packen meiner Koffer. Auch dieser Tag ging schnell zu Ende und ein letztes Abendessen mit Mitbewohnern und Freunden stand an. Der Abschied von meinem Zimmer, den Wohnräumen, dem Haus, dem Büro, für jeden Raum nahm ich mir einen Abschlussgedanken und die Bilder rauschten mir nur so durch den Kopf. Die Abfahrt vom Büro war tränenreich. Ciao Büro! In dem Moment wollte ich einfach nur bleiben!
Die Momente am Flughafen vergingen wie passend zu dem Ort, "wie im Fluge". Die letzten Umarmungen, Winken, dann die Boarding Card in der Hand und Treppen rauf. Man bewegt sich ferngesteuert und denkt zwischen Gedanken an das Jahr in Ruanda und der Ankunft zu Hause. So seltsam. Dann hieß es noch unerwartet warten und ich schlief umgehend auf der Wartebank ein und erwachte pünktlich zum Aufruf. Nach einer halben Stunde hieß es dann Kontaktverlust zum ruandischen Boden, dem natürlich schönsten von Afrika bzw. der Welt, ausgenommen dem Hillscheider Boden!!!J Die letzten Lichter von Kigali verschwanden dann unter den Wolken und die endgültige Heimreise fing an. Kurze Zwischenlandung in Entebbe (Uganda) und dann Weiterflug nach Addis Ababa (Äthiopien). Erinnerungen an den Hinflug wurden wach als wir 12 Stunden in Addis am Flughafen verbrachten. Und ich betete, dass ich diesmal Glück haben würde, denn der Plan, meine Freundin an ihrem Geburtstag zu überraschen, musste unbedingt klappen. Gesagt getan, ich hatte Glück. Eine halbe Stunde verbrachte ich im Terminal und konnte kurz danach schon das Flugzeug betreten. Nach dem Start begann der längste Teil der Reise. Ich hatte einen tollen Platz mit viel Beinfreiheit und relaxte bei Filmen, Getränken und leckerem Essen. Ich schlief viel und vertrieb mir die Zeit mit Tagträumen an die Ankunft in Deutschland. Diese folgte dann auch und es war einfach seltsam am riesigen Frankfurter Flughafen anzukommen. Dabei fiel mir direkt auf: "Man wie viel Weiße hier rumlaufen". Aber gleichzeitig bedeutete es wieder in die Anonymität abzutauchen. Auch angenehm. Die Zeit an der Gepäckausgabe verging fast zu langsam und der Gang zum Ausgang war tränenreich obwohl ich meine Family noch nicht erblickte. Doch dann sah ich sie und es war toll die letzten 30 m entgegenzugehen und einfach alle in den Arm zu schließen!
Tolles Gefühl. Wie oft habe ich an die Ankunft gedacht, davon geträumt, grade in Zeiten wo es mir mal nicht so gut ging und jetzt war dieser Zeitpunkt endlich daJ.
Die ersten Momente am Flughafen waren erdrückend. Die ganze bunte Reklame an den Wänden. Dann im Parkhaus die ganzen Oberklasse-Limousinen ( in Ruanda gab es auch viele, allerdings lieben die vermögenden Ruander eher große schwere Geländewagen). Auch die Autobahn war seit einem Jahr wieder was neues. Aber nach ein paar Minuten schon wieder AlltagJ. Der Höhepunkt des Abends sollte ja noch mit der Überraschung meiner Freundin folgen. Deshalb ging es erstmal heim und schnell duschen und umziehen und danach auf den Geburtstagsbesuch. Kurz um, sie war geschockt aber freute sich. Ein toller Moment und auch ein Beweis, dass eine räumliche Trennung funktionieren kann.
Die ersten Tage in Deutschland bestanden aus Telefonaten, Treffen mit Familie und Freunden und selbstverständlich mit Arztbesuchen und allerlei Kram. Einige Veränderungen im Lebensumfeld fielen mir direkt auf, aber irgendwie fehlte die Zeit sich darüber große Gedanken zu machen, sondern es wurde hingenommen und weiter ging es. Das Gefühl des Überrollens erfasste mich schnell. Nicht das Freunde, Familie oder Bekannte dies auslösten, im Gegenteil ich freute mich über das Interesse an meinem Auslandjahr, aber irgendwie verliert man die Verbindung zum Alltag in Ruanda so schnell, aber findet auch nicht den Anschluss an den neuen "deutschen" Alltag. Ein seltsames Gefühl!
Die Arztbesuche brachte ich alle gut hinter mich obwohl mir unser Gesundheitssystem bzw. genauer die damit verbundene Bürokratie schon direkt aufstieß. Kleine Details waren zum Beispiel bei meiner Überweisung vom Hausarzt falsch und verursachten Probleme und ach irgendwie alles so unnötig. Aber auf der anderen Zeit wurde mir auch klar, dass wir über die Jahrzehnte so systematisch geworden sind, weil es einfach unsere Wirtschaft und allgemein das Gesellschaftsleben es nötig machen und einfach klare und detailversessene Vorschriften und Regelungen brauchen. Klar, gibt es in Ruanda auch solche Beispiele, aber man erkennt überwiegend noch die Einfachheit, die sich aber auch auf dem Weg der Änderung befinden.
Naja. Sorry solche kleinen Erkenntnisse werden beim Schreiben immer mal aus dem Gedächtnis ins Bewusstsein geschwemmt.
Ansonsten bestanden die letzten Wochen aus so vielen Ereignissen, dass ich alle schon gar nicht mehr zusammen bekomme. Einige Höhepunkten fallen mir allerdings doch ein wie zum Beispiel das letzte Tennisspiel der Saison mit meiner Mannschaft, ein paar Tage in Hamburg usw.
Leider gab es auch einige schlechte Nachrichten aus meiner Familie, die ich bis jetzt auch noch nicht verdauen konnte und keinen Ahnung habe wann ich das hinbekommen. Einfach scheisseL.
In den nächsten Wochen wird jetzt ein Praktikum in Berlin anstehen und dann winkt schon das Nachbereitungsseminar und der Beginn des Studiums und ja auch wieder ein neuer Lebensabschnitt.
Ich weiß nicht genau, ob und wie ich diesen Blogg weiterführe, vielleicht informiere ich hier ab und zu über Neuigkeiten. Mal schauen-
So das war es erstmal. Habe eben noch kurz überlegt einen kleinen Abschlusssatz über meine zeit in Ruanda zu schreiben, doch das habe ich noch mal verschoben. Zu nah ist die Zeit noch und wie gesagt der Überblick fehlt mir einfach noch.
Euch allen alles Gute. Und wenn Fragen auftauchen bin ich ja jetzt wieder vor Ort ;-) Freu mich drauf.
Bis bald
Murahbeho
Michael
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