Donnerstag, 8. Oktober 2009

Die Woche geht schon wieder zu Ende....

Hallo Ihr Lieben,


wie die Überschrift schon wiedergibt, rast die Zeit immer weiter und das Ende dieser Woche, zumindest der "Arbeitswoche" steht schon wieder bevor. Mit der Zeit arbeitet sich wirklich eine gewisse Routine ein. Mittlerweile weiß ich genau welche Aufgaben ich zu erledigen habe und gewöhne mich immer mehr an die Denkweise meine Kollegen und bekomme so langsam ein Gefühl, wann welche Sache ansteht und wie damit umgegangen werden muss. Ich fühle mich als Teil des Büros und habe, so ist mein Gefühl, einen festen Platz in der Gruppe gefunden. Meine zwei Kolleginnen binden mich unheimlich in die Arbeit ein und dass im wahrsten Sinne des Wortes. Aber es macht wirklich Spass und das Tolle ist, ich kann eigene Ideen und Vorhaben einbringen und erfahre Zuspruch durch meine beiden Damen. Echt super. Wie bereits erwähnt kommt der Besuch der Delegation immer näher und damit die Arbeit, denn bestimmte Bereiche müssen bis dahin fertig sein und selbstverständlich wollen wir einen guten Eindruck machen und zeigen, dass wir wirklich eine gute Truppe sind, die den Partnerschaftsgedanken versucht so weit es geht zu unterstützen und möglich zu machen.
Am vergangenen Dienstag stand ein Besuch im Westen des Landes an und zwar in der Nähe von Giseny. Diese Stadt, immerhin die zweitgrößte in Ruanda, liegt unmittelbar am Kivu-See und nur wenige Kilometer zu der Grenze zum Kongo. Dort haben meine Chefin, meine Kollegin, angereiste Journalisten aus Deutschland und ich, eine Kooperative und eine Sportmannschaft von behinderten Menschen besucht. Viele der Mitglieder dieser Kooperative haben körperliche wie auch geistige Behinderungen, darunter befinden sich auch viele Kinder. Die Journalisten haben einen größeren Betrag an Spenden gesammelt und wollten sich nun den Bestimmungsort dafür ansehen. Deswegen hatte uns die Sportmannschaft eingeladen ein Volleyballspiel anzuschauen, dass natürlich von behinderten Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen ausgetragen wurde. Die Regeln bei diesem Volleyballspiel sind ein wenig abgewandelt und zwar darf der Ball immer einmal auf den Boden aufkommen und muss dann erst, einem Spieler der eigenen Mannschaft zugespielt werden, der ihn auch wieder aufkommen lassen kann. Zu dem sitzen die Spieler auf dem Boden und rutschen und robben über die Spielfläche und es ist wirklich atemberaubend und fantastisch wie flink und wie schnell sie reagieren. Es kamen viele Leute um den Spiel beizuwohnen und dementsprechend war auch die Stimmung sehr gut. Nach dem Spiel setzten sich alle Leute zusammen und es wurde ein wenig diskutiert. Für meine Kollegin bedeutet dass immer Schwerstarbeit, weil sie in Kinayrwanda übersetzen muss, da die Landbevölkerung nur diese Sprache spricht. Aber es klappt immer sehr gut. Ganz besonderst irritierend, wobei dass nicht negativ gemeint ist, waren die Albinokinder, die dieser Kooperative angehören. Es ist einfach seltsam weiße Kinder unter schwarzen Kindern zu sehen und man kann sich vorstellen wie schwer es einerseits für die Kinder ist, unter schwarzen Verwandten aufzuwachsen. Auf der anderen Seite auch schwer für die Eltern, denn solche "Behinderungen" sind in der Gesellschaft ungewöhnlich und daher teilweise problematisch. Aber die Kinder und Eltern in dieser Kooperative sind gut integriert. Allerdings kämpfen die Kinder mit vielen Gefahren, die hauptsächlich von der starken Sonne ausgehen und so hatte ein Kind zum Beispiel richtig verbrannte, rote Hände, weil Sonnenmilch in Afrika wenig verbreitet und sehr teuer ist. Aber dass muss man auch erstmal wissen oder sich nochmal ins Gedächtnis rufen, dass solche einfachen Dinge hier unten einfach nicht gebraucht werden, weil die Menschnen ihren natürlichen Sonnenschutz haben. Und manche werden sagen, dass es doch logisch sei, dass die keine Sonnenmilch brauchen, aber keiner denkt dabei zum Beispiel an Albinokinder. Es sind manchmal einfach kleinste Probleme mit denen hier gekämpft werden muss und es gibt so viele Faktoren, die in eine Lösung einfließen müssen und ich schätze es sehr, diese kleinen und kleinsten Mosaiksteine, nun vor Ort erfahren zu dürfen. Ich merke wie facettenreich Enticklungzusammenarbeit einfach sein muss und dass es nicht nur darauf ankommt Geld in große, allgemeine Porjekte hineinzupumpen, sondern dass man auf die Probleme der einzelnen Menschen eingehen muss und sie fragen muss, wie sie ihre eigene Lage sehen und was Ihnen helfen würde. Und erst daraus können die richtigen Schlüsse und Ansätze erarbeitet werden.
Für diese Kooperative gibt es den Ansatz, dass ein Gebäude benötigt wird in dem sie ihre Arbeit, nämlich die handwerkliche Produktion von verschiedensten Produkten erweitern können. Ebenfalls ist angedacht in diesem Gebäude einen Raum für Physiotherapie zu intergrieren, um den behinderten Menschen eine Chance zu geben eine verbesserte körperliche Mobilität zu erlangen und damit Verbesserung zu schaffen. Desweiteren ist ein Büro von Nöten, um die große Anzahl von Mitgliedern zu verwalten. Alle diese Ansätze wurde mit den Menschen diskutiert. Wie ihr seht, ist es ein grösseres Vorhaben, aber wir glauben daran, dass wir die nötigen Mittel zusammen bekommen werden. Nach dem Besuch des Projektes haben wir etwas am Sandstrand des Kivusees gegessen und den Schatten von Palmen genossen.
Die beiden letzten Tag habe ich im Büro verbracht und meinen Berg von Arbeit gut abgearbeitet. Ihr merkt ich gebe Gas, weil ich jetzt hinüber ins Haus gehen möchte um etwas zu Essen. Habe großen Hunger. Schönen Abend Euch allen. Bis dann
Bis dann

Sonntag, 4. Oktober 2009

Dienstag (Komera), Mittwoch (Byumba), Donnerstag+Freitag (Matimba)

Muraho (Guten Tag),

Amakuru (Wie gehts?). Das sind die beiden Wörter, die man bereits in den ersten Tagen seines Aufenthaltes lernt. Mittlerweile sind sie mir richtig vertraut geworden und ich benutze sie jeden Tag. So, der nächste Post steht an und ich werde über meine vergangene Woche berichten. Es war eine sehr aufregende und schöne Woche und ich war nur am Montag im Büro und die anderen Tage, in drei verschiedenen Himmelsrichtungen unterwegs. Am Dienstag sind meine Kollegin, meine Chefin und eine andere Freiwillige (die in einem unserer Projekte arbeitet und sich ein wenig andere Projekte anschaut) und ich, in den Westen des Landes gefahren. Unser Ziel liegt in unmittelbarer Sichtweite des Kivu-Sees und wir fanden eine tolle Aussicht vor. Bei dem Projekt handelt es sich um ein Zentrum für geistig- und körperliche behinderte Kinder und Jugendliche. Die Vielzahl der Jugendlichen kommen den Tag über in das Zentrum, gehen aber gegen Abend heim bzw. werden abgeholt und verbringen die Nacht im Haus der Eltern. Ein Großteil der Jugendlichen kann nicht sprechen und so haben wir direkt am Beginn unseres Besuches erfahren, dass sich selbstverständlich auch, ruandische Kinder in Gebärdensprache unterhalten. Zu dem haben die Kinder eine unglaubliche Beobachtungsgabe und mustern ihren Gegenüber, präzise. Direkt wurden uns "Neuen", verschiedenen Namen gegeb
en, die die Kindern in Absprache untereinander und der besagten Musterung ausdiskutieren und in meinem Fall, wen wunderts, wurde natürlich meine Körpergröße direkt in ein Zeichen transferiert (um meinen "Namen" zu zeigen, nehme man den Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand und streiche zweimal schnell hintereinander vom Kehllkopf aufwärts bis zum Ansatz des Kinns). Sehr witzig:-). Die Kinder sind dort, gemäß ihren körperlichen bzw. geistlichen Einschränkungen verschiedenen Häusern, auf dem Gelände, zugeteilt. Zum Beispiel gibt es ein Haus für traumatisierte Kinder. In den Häusern gibt es jeweils einen großen, sehr gut ausgestatteten Klassenraum, teilweise mit Fernseher und DVD-Player. An den Wänden hängen viele verschiedene Karten und Poster auf denen bestimmte Begriffe, mit den entsprechenden Zeichen der Gebärdesprache visualisiert sind. Die Schüler werden betreut von einem Lehrer und einem Hilfslehrer ( der auch stumm ist und in Gebärdensprache ausgebildet wurde) die sich mit vollem Einsatz um die Kinder kümmern und alle Fächer, unter anderem Mathe und Englisch, vermitteln. Die andere Freiwillige und ich saßen mit aufgerissenen Augen im Klassenraum und haben am Unterricht teilgenommen und waren einfach nur platt, wie toll die Kinder gefördert werden und wie sie ihre Intelligenz ( die ohne Zeifel jeder von ihnen hat) einsetzen und entwicklen können. Einfach toll!
Die Jugendlichen werden versorgt und bekommen Frühstück, Mittagessen und Abendessen und haben viel Zeit zum Spielen und Lernen. Im Verlauf des Besuches haben wir zwei Freiwillige, die ganze Zeit mit den Kindern gespielt und uns riesig gefreut wie fröhlich und aufgeschlossen die Kinder sind. Einfach umwerfend! Nach dem Mittagessen haben wir noch kurz, ein weiteres Zentrum besucht, weil im Moment zwei deutsche Partner aus RLP vor Ort sind und sich das andere Zentrum, auch anschauen wollten. Es war ein sehr schöner Tag, auch wenn die Wegstrecke sehr anstrengend war, hat es sich gelohnt, diese auf sich zu nehmen um so diese Einrichtung zu erkunden und vielleicht auch zu begreifen, dass manche deutsche Einrichtungen, sich einiges Abschauen könnten.
Am Mittwoch sind meine Kollegin und ich wieder auf Tour gegangen. Nach einer kleinen Kaffeepause und einer Torte, die eine weitere Kollegin anlässlich ihres Geburtstag gekauft hatte, fuhren wir in den Norden des Landes. Eine Autostunde entfernt von Kigali lag unser Ziel, in dem wir eine kleiner Feier beiwohnten, die zum Start eines neuen Projektes organisiert wurde. Es handelt sich um ein Projekt für junge Frauen, die das Handwerk der Schneiderei erlernen und so eine Zukunftsmöglichkeit erhalten. Das Projekt wird von einer Kooperative durchgeführt, die von Schwestern geleitet wird. Dementsprechend war auch der Bischof der Diozöse anwesend und bereicherte die Feier mit seiner Anwesentheit. Sonst gibt es nichts weiter von diesem Tag zu erzählen. Außer das wir auf dem Rückweg nach Kigali an der Straße gehalten haben, da es dort wohl die besten Bruchette rundum Kigali gibt. Zur Erklärung: Bruchette sind Fleischspieße, die aus Ziegenfleisch gemacht werden und auf einem Holzkohlegrill mit ständigem Gebrauch, einer speziellen Gewürzmarinade gebraten werden. Und diese Bruchetten waren wirklich der Hammer, dazu gab es noch gegrillte Kochbananen, die auch himmlich waren. Wir sind dann im Lauf des Nachmittags daheim angekommen und haben noch ein paar wenige Büroarbeiten erledigt. Unter anderem bekommt das Büro meiner Mitfreiwilligen, Franzi, eine neue, riesige Schrankwand für Ordner, die auch dringend gebraucht wird, da wir ein sehr schlechtes System für die Akten haben. Und so sind wir ständig dabei, die alten Akten in neue Ordner "umzupacken".
Am Donnerstag und am Freitag sind meine Kollegin und auch die andere Mitfreiwillige und ich in den Nordwesten von Ruanda gefahren, ganz in die Nähe der ugandischen Grenzen, um Patenschaftskindern zu besuchen, die zufälligerweise von Priestern aus Vallendar/Schönstatt gefördert werden. Ein weiterer Freiwilliger, den wir schon länger kennen, arbeitet dort in einer Pfarrgemeinde und betreut die Patenschüler vor Ort, für uns. Daher konnten wir ihn auch in einem Besuchen und hatten zwei tolle Tage zusammen. Am Donnerstag besuchten wir einige Schulen um mit den jeweiligen Patenschülern zu reden und nach Problemen zu fragen. Gegen Abend sind wir dann, an die Grenze zu Uganda gefahren und haben dort in einer Bar etwas getrunken und etwas kleines gegessen (wieder Bruchette, lecker!!). Für die Nacht von Donerstag auf Freitag sind wir bei Schwestern untergekommen, deren Gebäude in direkter Nachbarschaft zu dem Gebäude der Priester liegt, in dem der andere Freiwillige wohnt. Wir wurden dann von den Priestern zum Essen eingeladen. Unter anderem gab es den berühmten Bananenschnaps, der wirklich unheimlich reinhaut. Es war ein sehr fröhlicher Abend :-). Am Freitag morgen sind wir bereits um 5 Uhr aufgestanden und haben uns auf Fahrräder geschwungen, um den Sonnenaufgang zu sehen. Man muss dazu sagen, das Gebiet wo Matimba liegt, war vor einigen Jahren ein geschützter Nationalpark, der aber durch das immense Bevölkerungswachstum zu einem Siedlungsgebiet umfunktioniert wurde. Aber weite Teile der Landschaft sind noch als Savanne erkenntlich und dementsprechend atemberaubend war auch der Sonnenaufgang!! Nach der Rückker vom morgendlichen Ausdauersport, denn auch dort gibt es Hügel mit ordentlichen Anstiegen und da die Fahrräder keinen Gänge haben, waren wir ordentlich geschafft, als wir bei den Schwestern zum Frühstück eintrafen. Es gab süßes Brot mit Honig und Marmelade. Nach Beendigung der Mahlzeit haben wir die letzte Schule auf unserer Liste besucht und sind danach Richtung Kigali aufgebrchen, um aber, vorher nochmal abzubiegen um eine weitere Freiwillige zu besuchen. Diese Freiwillige kommt von der Mosel und war in Koblenz auf der Schule. Über unser Büro haben wir ihr geholfen, ihr Visum zu beantragen, dass wir ihr bei dieser Gelegenheit vorbei gebracht haben. Und wieder wurden wir zum Essen eingeladen, weil auch diese Freiwillige bei Priestern wohnt. An Essen hat es uns an den beiden Tagen nicht gemangelt. Wir sind so gegen 6 Uhr in Kigali angekommen. Leider, denn am Freitag hatten alle gemeldeten Deutschen in Ruanda, eine Einladung in die Residenz des Botschafters zum Anlass des "Tags der Deutsche Einheit". Die Einladung war für halb sieben ausgestellt und meine Mitfreiwillige und meine Chefin waren bereits losgefahren, so dass ich in unser Haus gestürzt bin, mich kurz frisch gemacht habe und meinen Anzug angezogen habe. Da meine Verspätung erkennbar war, habe ich schon im Vorfeld mit unserem Fahrer abgeklärt, dass er mich zur Feier fährt. Da ich wirklich spät war, hat er dies auch Ernst genommen und ist mit einem zügigen Tempo losgerauscht ,während ich auf dem Beifahrersitz meine Krawatte anzog. Auf der anderen Seite, war meine Verspätung dann doch nicht so schlimm, da ich alleine mit einem riesengroßen, weißen Jeep vor dem Tor der Residenz abgesetzt wurde, was natürlich ein tolles Gefühl und ich bin umso aufrechter in die Residenz gegangen :-):-). Die Feier war sehr schön, weil man viele neue Leute kennengelernt hat und auch viele weitere Freiwillige. Natürlich gab es auch etwas zu Essen und auch zwei kleine Reden, seitens des Botschafters und der Ministerin für öffentliche Angelegenheiten und in Beiden wurde die Partnerschaft (RLP/Ruanda), explizit erwähnt, worüber wir deutschen Mitarbeiter aus dem Büro, uns sehr gefreut haben. Nach der Feier sind wir mit vielen Freiwilligen noch weiter gezogen, um ein wenig weiterzufeiern.
Also wie Ihr seht war es eine interessante, aber auch anstrengende Woche. Ich wünsche euch eine schöne, kommende Woche. Bis dann!