Hallo,
es sind wieder viele Tage seit meinem letzten Eintrag vergangen, mehr als es sonst die Regel ist.
Der erst und wichtigste Punkt ist, dass ich wieder vollkommen gesund bin und es mir wieder richtig gut geht. Die Zeit der Krankheit hat mich doch ein wenig mitgenommen und hat selbstverständlich den einen oder anderen Heimwehgedanken aufkommen lassen. Aber damit ist soweit Schluss denn es gilt die letzten Wochen in Ruanda zu genießen und die Zeit rast.
Auf der Arbeit geht es immer so weiter. Die Sache mit den Videos die ich bearbeite, vielleicht erinnert ihr Euch, läuft eher schleppend voran und das Problem liegt leider an unseren, in die Jahre gekommenen Computern. Habe jetzt bereits das zweite Wochenende in Folge an dem Mist gesessen und komme nicht so recht voran. Bin teilweise echt dabei pro Woche 3-4 Überstunden zu schieben ohne die Stunden am Wochenende mit eingerechnet. Naja die Arbeit macht ja Spaß.
Letzte Woche besuchte ich ein mir bereits bekanntes Zentrum für beeinträchtigte Kinder. Durch eine Spende konnten wir dieses Zentrum bei der Anschaffung von Einrichtungsgegenständen, wie abwaschbare Matratzen und Plastikgeschirr etc. unterstützen. Bei unserem kürzlich getätigten Besuch überzeugten wir uns von dem richtigen Einsatz und Anwendung der Materialien. Wir haben uns sehr gefreut, denn alles wird super eingebunden und der Kauf hat sich vor allem für das Wohlbefinden der Kinder gerechnet. Aber bitte stellt Euch ein solches Zentrum nicht wie ein Heim bei uns vor. Da liegen teilweise Welten dazwischen. Vor allem der Zustand des Gebäudes ist schon erschreckend. Aber die Kinder haben jeweils ein eigenes, sauberes und trockenes Bett. Sie bekommen dort Aufmerksamkeit, Nähe und Unterricht. Desweiteren baut die Schwesternkongregation, die auch das Zentrum und das angrenzende Gesundheitszentrum betreut, eine neue Grundschule, die viele beeinträchtigte Kinder aufnehmen soll und auch unbeeinträchtigte Kinder zum Zweck der Inklusion aufnehmen wird. Also wie ihr seht bewegt sich dort einiges! Am selben Tag besuchten wir auch zwei Projekte im Norden des Landes. Diese Projekte sind der dortigen Diözese angeschlossen. Zum einen geht es um eine Gruppe junger Frauen, die sich dem Stricken verschrieben haben und Kleidung aller Art an speziellen Maschinen anfertigen. Zum Anderen haben wir eine berufsbildende Schule mit einer Nähwerkstatt und einem Equipment zur Ausbildung des Friseurberufs (es geht mehr darum den Schülern die Techniken beizubringen und es ist leider nicht vergleichbar mit einer Ausbildung wie wir sie kennen!) ausgestattet.
Danach wurden wir von dem verantwortlichen Pfarrer zum Essen in die Pfarrei eingeladen, in denen es immer ruandische Leckereien gibt. Denn als kath. Priester lebt man nicht schlecht, denn jede Pfarrei besitzt große Gärten und ausgedehnte Felder zur Versorgung der Priester. Teilweise sieht man die gute Versorgung auch am Umfang der Priester;-)…aber pssst.
Da wir den ganzen Tag schon unterwegs waren starteten wir dann auch kurz nach dem Essen, stoppten noch kurz am städtischen Markt, denn in dieser Gegend gibt es sehr fruchtbare Vulkanböden und dementsprechend ist das Gemüse riesengroß und billig. Desweiteren hielten wir an einer naheliegenden Mühle, um uns direkt mit Weizenmehl vom Erzeuger zu versorgen.
Gestern dann war ich mit meiner Kollegin aus dem Bereich der Mikroprojekte im Osten des Landes, um eine kleine Gemeinde (hier Zelle genannt) zu besuchen, die durch Fördermittel aus Deutschland Kühe bekommen soll. Die Gemeinde besteht aus ehemaligen Flüchtlingen die nach ihrer Flucht nach Tansania wieder zurück nach Ruanda gekommen sind und sich jetzt mit viel Mühe ein neues Leben aufbauen müssen. Verschiedene Hilfsorganisationen haben den Bewohnern bereits kleine Häuser gebaut, um sie aus ihren Zeltbehausungen rauszuholen und den Weg in einen neuen Lebensabschnitt zu erleichtern. Wir versuchen dies ebenfalls und zwar mit der Anschaffung von Kühen, um einerseits die Ernährung zu verbessern und die Möglichkeit zu geben eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Das Projekt steht aber noch am Anfang und wird in den nächsten Monaten vorangetrieben.
Morgen bin ich auf die Graduationsfeier (Feier anlässlich des Erhalts eines akademischen Abschlusses) von zwei ruandischen Freunden eingeladen, die dieses Jahr ihren Bachelor erreicht haben.
Und in zwei Tagen ist schon wieder die Arbeitswoche zu Ende.
So fertig für heute! Wünsche Euch allen noch eine schöne Woche.
Bis dann
Michael
Mittwoch, 24. März 2010
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