Dienstag, 6. April 2010

Vorösterliche Woche und Ostern an sich...

Hallo,

es ist wieder soweit. Michael gibt mal wieder sein Leben zum Besten:-). Ich leg einfach mal los.

Die Woche vor Ostern war sehr ruhig und schlich ungewohnt langsam voran. Die Kollegin aus meinem Büro ist in Urlaub und so saß ich die meiste Zeit alleine im Raum und musste die Arbeit ohne einen Mucks und ohne ein bisschen Unsinn machen, erledigen. Im Moment sitze ich größtenteils an der Erstellung der Homepage, die nun im April fertig werden soll und die Hauptarbeit wird jetzt erst auf mich zukommen.

Am Mittwoch war ich wieder auf der einzigen Insel Ruandas zum Projektbesuch. Das dortige Projekt trat in die entscheidende Phase, denn der Kauf der Kühe stand bevor und meine Kollegin und ich fuhren los, um die von der Kooperative ausgewählten Kühe anzuschauen und falls von uns akzeptiert direkt zu bezahlen.

Dies war dann auch der Fall und wir konnten zwei ordentliche junge Kühe für die Zucht bzw. Milchviehhaltung der Gruppe ankaufen. Den dritten Vorschlag des Präsidenten mussten wir leider ablehnen. Man muss dazu sagen, dass wir die Kühe auf dem Festland gefunden haben, da es auf der Insel kaum Tierhaltung gibt und dementsprechend auch keinen Nachwuchs. Dementsprechend mussten die Kühe auch per Boot auf die andere Seite gebracht werden und ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass es kein einfaches Unterfangen ist, die Kühe auf das Boot zu bugsieren. (Werde in kürze Bilder hochladen. Die sind echt zum Schießen;-) ). Außerdem ließen sich unsere ruandischen Bootsleute auch extra viel Zeit um vor der Abfahrt noch einen großen Topf frischen Fisch zu kochen, sozusagen als Wegzehrung. Also für sich!!!! Obwohl es Fisch im Überfluss gibt fressen die Kühe, wie überall nur Grünzeug;-).
Ansonsten war der "Ausflug" an den Rand des Kivu-Sees wie immer schön und beeindruckend, aber mittlerweile schon ein Stück Routine.

Wir mussten natürlich über Nacht bleiben und kehrten erst spät am Abend des Donnerstags nach Kigali zurück. Der Karfreitag war das Büro selbstverständlich geschlossen und ich konnte mal lange ausschlafen.

Abends war ich dann mit Freunden unterwegs und auch den Samstag verbrachte ich eher ruhig und ging an diesem Abend mit meiner Mitbewohnerin in die katholische Ostermette, die sich letztendlich 4 Stunden hinzog. Aber durch das ständige auf- und hinsetzen lief man nicht Gefahr einzuschlafen:-). Allerdings geizen die ruandischen Priester nicht mit Weihrauch, so dass man sich teilweise eher in eine heiligen Räucherkammer vorkam. Es wurde, wie es sich an Ostern gehört natürlich auch getauft und überraschender Weise holte der Priester die verlorene Zeit durch die intensive Weihrauchverbreitung, mit einer kurzen und schnellen Taufe wieder auf:-).
Am Ostersonntag haben zwei meiner drei Mitbewohner, meine Chefin mit ihrer Tochter und ihrer Nichte und ich, einen deutschen Gottesdienst besucht, der außerhalb von Kigali in einem Waisenhaus stattfand. Die Fahrt dauerte ungefähr eine 3/4 Stunde. Der Gottesdienst war schön gestaltet und war eine Mischung aus Kinyarwanda und Deutsch und anschließend gab es ein richtig leckeres Mittagessen. Es waren einige andere Deutsche da und nach einer kleinen ruandischen Tanzeinlage (solche kenne ich schon zu genüge) ging es wieder zurück nach Kigali auf die Terrasse unseres Hauses, um den Rhabarberkuchen meine Mitfreiwilligen zu vertilgen. War super!

Gestern Abend hatten wir dann in unser Haus eingeladen. Unsere Chefin mit ihrer Tochter, Nichte und ihrem Schwager und weitere Bekannte meiner einen Mitbewohnerin füllten unser Wohnzimmer, denn wir mit einer langen österlichen Tafel bestückt hatten. Insgesamt waren wir 12 Leute für die wir den ganzen Tag in der Küche standen. Es gab ganz bodenständig Chili Con Carne, aber mit vielen kleine Raffinessen und zum Nachtisch Crêpe, 3 verschiedene Kompottsorten und Eis. Wir können mit Sicherheit sagen, dass es sehr lecker war. Und so war auch die Resonanz unserer Gäste die mit vollen Bäuchen nach Haus fuhren.
Allerdings war das Vorbereiten und der Abwasch eine recht große Aktion und mir ist mal wieder aufgefallen, dass man ohne eine Spülmaschine Massen von Wasser verbrauchen muss, um das Geschirr sauber zu bekommen. Die ganze Arbeit und vielleicht auch bisschen Aufregung führten dazu, dass wir einige nötige Aufräumaktionen auf den nächsten Tag verschieben mussten und wir schließlich alle fix und fertig ins Bett fielen.

Gestern gingen wir den Tag dann langsamer an und meine Mitfreiwillige und ich setzten uns an eine dringende Power Point Präsentation für die Auswahltage unsere r Nachfolger. Wir wählten eine Vielzahl von Fotos aus, die wir nach bestimmten Rubriken anordneten und so hoffentlich den Bewerbern einen kleinen Eindruck über unser Leben in Ruanda vermitteln. Während der Sichtung der Bilder, die wir in Massen auf unseren Computern bzw. USB-Sticks haben, ist mir wieder einmal aufgefallen, wie viele Ereignisse und Erlebnisse ich schon sammeln durfte und wie schnell solche außergewöhnlichen Erfahrungen im Lauf der Alltags untergehen. Ebenso dachte ich in dem Moment daran, wie schwer es mir fallen wird dies alles hinter mir zu lassen. Aber so wie der Abschied auf Zeit aus Deutschland dazu gehörte, wird auch der Abschied aus Ruanda nötig werden. Aber es wird ganz sicher ein Wiedersehen geben, denn zu sehr ist mir dieses Land ans Herz gewachsen.

Für die nächsten Tage ist Urlaub angesagt. Wir haben das Büro nach Ostern für eine Woche geschlossen, denn heute beginnen offizielle die TrauerMONATE für den Völkermord.

Wie ich lese könnt ihr ebenso wie ich die Sonne genießen.
Macht's gut. Bis bald.
Gruß Michael