Mittwoch, 19. Mai 2010

Es gibt mich noch...;-)

Guten Abend,

nach fast 3 Wochen des Schweigens in meinem Blog, muss ich mich ja dann doch mal melden. Hört sich jetzt so an als wollte ich es gar nicht und würde es nur aus schlechtem Gewissen machen, aber so ist es gar nicht! Im Gegenteil:-). Ich freue mich wieder einen kleinen Eintrag über mein Leben hier in Ruanda zu machen. Der Grund für das Fehlen neuer Einträge ist der Alltag, der in den letzten Wochen ein wenig an Tempo und Intensität zu genommen hat. Es ist wieder mehr los im Büro. Dazu kommt, dass ich mir noch einige Dinge vorgenommen habe, die ich noch unbedingt in meinen restlichen Wochen angehen und abschließen will. Ebenso hat mein Geburtstag in der letzten Woche, verbunden mit vielen Projektbesuchen, meine Motivation sich noch hinzusetzen und was längeres zu tippen, vermindert. Ich habe super viele Glückwünsche zu meinem Geburtstag bekommen und allein 4 Päckchen und einen großen Brief aus Deutschland. Es ist echt toll wie meine Familie, meine Freundin und Freunde sich Mühen für mich gemacht haben und dies fördert umso mehr meine Vorfreude auf meine Heimkehr. Ich möchte hiermit allen Danke sagen, die an mich gedacht haben! Hatte am Mittwoch einen schönen Tag mit Kollegen und donnerstagabend eine kleine Cocktailparty. Echt witzig.

Wie schon erwähnt standen eine Vielzahl von Projektbesuchen ins Haus. Angefangen mit Partnern aus der Nähe von Koblenz, die mit Hilfe von Unternehmern eine orthopädische Werkstatt austatten wollen und mit Angestellten aus dem Betrieb (augebildete Meister) mehrmals im Jahr ein Training für junge Menschen durchführen werden, die in diesem Berufsfeld arbeiten. Dabei legen sie Wert auf den neuesten Standard. Und wir freuen uns hier sehr, dass viele Leute nun erkennen, dass nicht Altkleider und von Deutschen ausrangierte Gegenstände, Ruanda weiter vorranbringen. Sondern Investitionen auf Augenhöhen, die nachhaltig sind und dem Streben der Ruander, ihr Land zu entwickeln, entsprechen. Der Bedarf an modernen Prothesen, Krücken und orthopädischen Schuhen ist sehr groß und auch die Reperatur bereits vorhandener Prothesen muss gewährleistet werden. Es gibt schon einige sehr gute Projekte, die genau diesen Ansatz verfolgen und dies zeigt einmal mehr die Entwicklung in diesem Land. Wegen der Suche nach einem geeigneten Standort waren wir also 2 Tage unterwegs, um in zwei kleinen, bereits bestehenden Werkstätten vorbeizuschauen. Eben auch um zu klären, ob die Beschäftigten offen und motiviert für eine Unterstützung sind. Denn gegen den Willen der Ruander kann man Projekte nicht starten. Viel besser, sollten die Ideen von ihnen selbstkommen, denn es ist ihr Land, dass entwickelt werden mus. Wir können ihnen dabei assistieren, aber wir dürfen uns nicht erlauben "deutsche Projektideen", die gut gemeint in Deutschland entstanden sind, hier umzusetzen. Stellt Euch vor die Chinesen kommen und wollen uns sagen, wie wir ein Projekt in Deutschland starten sollen. Wir würden mit dem Kopf schütteln und beleidigt sein. Denn bei solchen Dingen geht es um Respekt!!!!!, den man jedem Menschen und jedem Volk entgegenbringen muss. Außerdem wissen die Einheimischen besser, welche Projekte Sinn machen und welche nicht.
So die Theorie...die Praxis sieht leider oft anders aus. Aber es gibt viele Ausnahmen und die gilt es zu unterstützen und nach D. zu vermitteln. Schaut her so begegnet man den Ruandern:-) Und wie ihr seht diese Einblicke und Erfahrungen hätte ich ohne meinen Aufenthalt in Ruanda nie gemacht und wieder mal bin ich so froh hier sein zu dürfen.

Nun aber weiter im Geschehen. Nachdem wir dann dienstags und mittwochs (mein Geburtstag) mit den besagten Partnern unterwegs waren, ging es donnerstags mit dem Besuch eines Zentrums für Menschen mit Beeinträchtigungen weiter. Wir betreuen dort einen kleinen Jungen, der für eine plastische Operation in Deutschland war, da er hier in Ruanda ins Feuer fiel. Es war nur ein kleiner Besuch, um seine Entwicklung mit den dortigen sozial-therapeutischen Mitarbeitern zu besprechen. Die Betreung des Jungen wird bald von einer eigenen Sozialarbeiterin übernommen, da wir eine solche Individualbetreung einfach nicht leisten können. Der Junge macht echt super Fortschritte und es ist toll mit anzusehen wie er in der integrierten Schule, wo Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam lernen, aufgenommen wurde. Denn für viele und ihn selber war es am Anfang nicht leicht, denn auch nach der Operation ist sein gesicht fast bis zur Unkenntlichkeit vernarbt. Aber im Laufe der Jahre und weiteren Eingriffen wird die moderne plastische Chirugie es immer ein Stück mehr normalisieren.
Am Freitag sollten wir dann eigentlich auch unterwegs gewesen sein, doch dieser Termin fiel leider unerwartet ins Wasser und so erledigten wir unsere Büroarbeit.

Am Wochenende waren meine Mitfreiwilige, einer weitere Praktikantin und ich im ruandischen Regenwald, der Nyungwe Forest genannt wird und übersetzt so viel wie Nebelwald bedeutet. Der Wald macht seinem Namen alle Ehre, denn oft sieht man vor lauter Nebelschwaden die eigene Hand nicht mehr vor den Augen. Es war eine schöne Wanderung auch wenn wir einige Probleme hatten den Wald zu erreichen, weil die normal guten Busverbindungen innerhalb Ruandas manchmal nicht ganz so gut sind. Aber Schwamm drüber. Hat alles irgendwie funktioniert. Nass wurden wir auch ordentlich und einen kleinen Schnupfen habe ich nun auch noch geschenkt bekommen, aber um da gewesen zu sein nehme ich dass gerne in kauf:-).

So ich glaube dass war es für heute. Mein Plan für die nächsten Tage ist der Besuch einer interessanten Konferenz in der amerikanischen Botschaft und am Freitag ein Projektbesuch am Kivu-See mit Uebernachtung und einem schönen Samstag mit Schwimmen im See. Die Partnerschaft unterstützt dort einen Schwimmverein mit dem wir den Tag verbringen werden. Es handelt sich um überwiegend Grundschulkinder, die in der Woche in der Schule sind und dann erst samstags Zeit haben. Wird sicher toll.

Werde jetzt bald auch wieder Fotos hochladen und meinen Rückstand hoffentlich aufholen.
Macht es gut.
Bis bald.
Michael

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