Guten Abend,
die neue Woche ist endlich da und schon fast wieder vorbei. Diese Woche standen bei mir 3 Projektbesuche an. Einer im Bereich der Mikroprojekte und zwei im Bereich der Sozialprojekte.
Der Montag gestaltete sich wie immer durch unsere Mitarbeiterbesprechung und folgenden Bürokram. Dienstagsmorgens wird immer die Botschaftsport versandt, so dass montags alle Briefe und Dokumente für nach Mainz, fertig gemacht werden müssen.
Der erste Projektbesuch führte meine Kollegin und mich in den Norden des Landes. Wir haben insgesamt drei Projekte aus dem Bereich der Mikroprojekte, sprich einkommensschaffende Maßnahmen besucht. Zweimal haben wir dazu verschiedene Pfarreiren aufgesucht, da wir einige Projekte haben, die unter der Obhut von Pastoren stehen. Zum Einen besteht der Vorteil darin, dass ein Pastor immer per Handy zu erreichen ist und zweitens haben sie in ihren jeweiligen Pfarreien viel Einfluss und Respekt und haben eine gewisse Infarstruktur, wie Computer und ein Auto. Bei dem einen Projekt ging es um eine Schneiderwerkstatt, die in einem Haus am Rande einer kleinen Einkaufszeile angesiedelt ist. Zuerst suchten wir den Pastor auf, damit er uns den Weg erklärt und uns eine kurze persönliche Einschätzung über den Verlauf der Maßnahme abgibt. Nach dem wir die Werstatt erreicht hatten, überprüften wir die Vollständigkeit der Maschinen und ob auch dort wirklich Jugendliche ausgebildet werden. Ich habe ein paar Fotos von dieser kleinen Stadt mit der kleinen Einkauszeile gemacht, ansonsten gibt es zu diesem Projekt nicht viel zu erzählen, da es sich gerade im Aufbau befindet.
Auf dem Weg zu der zweiten Pfarrei kam uns dann eine Polizeieskorte entgegen, die die Straße für etwas wichtiges freiräumen sollte. Es dauerte dann einige Sekunden bis das Ereigniss um die Kurve bog. Zu meinem großen Erstaunen handelte es sich um ein Feld von Radrennfahrern, die von vielen Begleitfahrzeugen eskortiert wurden. Ich war wie perplex und schaffte es gerade noch meine Kamera einzuschalten. Fühlte mich wie bei der "Tour de France" bzw. "Tour de Ruanda". Ich hätte nie gedacht, dass es hier so etwas gibt, aber in dem Feld waren unter einigen Weißen Sportlern, überwiegend schwarze Fahrer. Aber wie mir meine Kollegen erzählten, gibt es dass wohl öfters in Ruanda. Sehr witzig, aber warum nicht:-). Bilder kommen!.
Nach Ankunft in der Pfarrei, wo es nicht direkt um einen lokalen Projektbesuch ging, sondern um die Besprechung eines Antrages, der an unser Büro bzw. die Partnerschaft, seitens dieser Pfarrei herangetragen wurde. Dort wohnt und arbeitet ein Priester, der in dieser Pfarrei ganz neu ist und deswegen kannte ihn meine streng gläubige, katholische Kollegin nicht. Und sie kennt sie eigentlich alle:-). Auf jedenfall wurden wir sehr freundlich begrüßt. Und diese Pfarreien sind quasi moderne Inseln in einem Meer von größter Einfachheit. Sie haben alle Strom und Wasseranschluss und es handelt sich immer um schöne Backsteingebäude mit sehr gepflegten Innenhöfen neben einer großen Kirche. Wir wurden ins Wohnzimmer gebeten, dass mit Fernseher und DVD-Player und SAT-Receiver ausgestattet war. Nach einem längeren Gespräch ging es dann zum gemütlichen Teil über und der Pastor öffnete eine Flasche Ananasschnaps und füllte großzügig die Gläser meiner Kollegin und meiner Person. Kaum hatte ich ausgetrunken füllte er auch schon wieder nach. Jaja, die Pastoren hier wissen wie man Alkohol trinkt und ich meine nicht nur den Messwein;-).
Nach dem Abschied und der Abfahrt steuerten wir unser drittes und letztes Projekt an, um eine weitere Schneiderwerkstatt zu besuchen und eine neue Maschine zu übergeben mit der man Pullis mechanisch stricken kann. Ich kannte bereits dieses Projekt und wurde mit strahlenden Augen empfangen und man freute sich, dass auch ich wieder dabei bin.
Nach einem langen Tag und vielen Kilometern trafen wir gegen 5 Uhr wieder in Kigali ein.
Am Mittwoch ging es dann mit meiner Kollegin aus dem Sozialbereich, mit der ich mir auch das Büro teile, wieder in Richtung Norden, nur diesmal ein Stück weiter als am Dienstag.
Als Erstes besuchten wir die Caritaszentrale der dortigen Diozöse, um mit dem Verantwortlichen des Büros für soziale Fürsorge eine Werkstatt zur Herstellung von orthopädischen Hilfsmitteln, wie Krücken, Prothesen und Gehstöcken zu besuchen. Leider ist er der Einzige der im Moment diese Werkstatt betreibt, obwohl sehr großer Bedarf für jene Hilfsmittel besteht. Wir haben für dieses Projekt eine weitere finanzielle Unterstützung aus Rheinland-Pfalz bekommen, die eingesetzt wird um Werkzeuge zu kaufen und eventuell einige Jugendliche in diesem Bereich anzulernen. Danach besuchten wir kurz ein Haus der Caritas für AIDS-Erkrankte, die keine Familien mehr haben und ansonsten alleine leben müssten. Wir musterten das Haus und es machte einen sehr sauberen und guten Eindruck. Allerdings fehlen Nahrungsmittel und Materialien für den Zeitvertreib, weil im Moment liegen die Patienten nur auf Matten im Garten und warten, dass der Tag zu Ende geht. Es ist sehr schade, denn alle sind geistig auf der Höhe und könnten lesen oder sich bilden. Wir werden versuchen einige finanzielle Mittel zu ergattern und vielleicht diese Einrichtung z unterstützen. Es war für mich das erste Mal, dass ich bewusst auf AIDS-Infizierte treffen sollte. Aber als ich aus dem Auto ausstieg verflogen die nachvollziehbaren Bedenken und ich ging wie selbstverständlich auf die Menschen zu und begrüßte sie. Und wie ich es mir im Vorfeld dachte und es sich auch bestätigt, sind es sehr nett und völlig normale Menschen, die ein schweres Schicksal tragen. Aber trotz ihrer Krankheit nicht abstoßend oder desgleichen sind und ich bin sehr froh diese Erfahrung gemacht zu haben und sie gleichzeitig so gut gemeistert zu haben. Habe einfach meine Kinayrwanda Kenntnisse augepackt und schon finden sie einen sympathisch und lachen und sind fröhlich, dass jemand kommt und ohne Distanz zu ihnen redet.
Nach etwa einer guten dreiviertel Stunde machten wir uns dann auf, zu unserem letzten Besuch für diesen Tag. Es ging zu einem bereits bestehenden Projekt, dass von einem Orden von Schwestern geführt wird. Es handelt sich um ein Zentrum für Patienten, die an Elefanthiasis leiden. Eine Krankheit die durch Malaria hervorgerufen wird und stark verdickte Körperteile nach sich zieht. Vor allem Obeschenkel und Füße sind betroffen und machen den Alltag sehr schwer. Die Patienten werden dort zweimal die Woche medizinisch versorgt und medikamentös eingestellt. Desweiteren gibt es auch eine Abteilung für psychisch behinderte Kinder, die mit Musik und Klängen bestimmte Gehirnregionen stimuliert bekommen sollen. Die Partnerschaft hat für dieses Zentrum bereits ein Küchenhaus errichtet, wofür auch noch Einrichtungsmaterialien angeschafft werden müssen.
Auf dem selben Gelände trafen wir zufälligerweise auch den Pastor an, der zuständig für die gesamte Jugendarbeit in der Diozöse ist. Meine Kollegin kennt ihn sehr gut und er war anwesend, um an einer Informationsveranstaltung für jungen Menschen teilzunehmen, die die Themen AIDS und Umweltschutz behandelte. Kurzfristig hat er mich gebten ein paar Worte vor der großen Gruppe zu sprechen. Aber ich glaube, dass habe ich ganz sehr gut gemeistert, aufjedenfall war er sehr froh was ich kurz vortrug. Dannach hat er uns dann noch zum Essen eingeladen. Im Anschluss brausten wir wieder Richtung Kigali.
Heute ging es mit der gleichen Kollegin, wie gestern, in den Osten des Landes, um Patenschüler zu besuchen. Der zuständige Sektor organisierte ein kleines Treffen, so dass wir die Gelegenheit hatten, um die neuesten Zeugnisse einzusammeln und mit den Schülern zu reden und mögliche Probleme auszuräumen. Gegen Ende hat mich meine Kollegin dann alleine gelassen, um mich den vielen Fragen der Jugendlichen an einen "Weißen" aus Europa zu überlassen. Mittlerweile habe ich schon Erfahrung mit solchen Runden und ich erzählten ihnen als Erstes etwas über die Ziele und den Sinn der Partnerschaft und allgemein über das schöne Rheinland-Pfalz und über Deutschland. Oft geht es darum viele Vorurteile auszuräumen, dass z.B. alle Weißen sehr reich sind. Selbstverständlich leben wir im Vergleich zu Ruanda im Wohlstand, aber d.h. nicht dass jeder unermesslich reich ist, sondern man muss viel für sein Geld arbeiten. Und die steuerliche ist ja eine ganz andere. Außerdem hat in Deutschland nicht jeder Arbeit und nicht jeder junge Mensch kann eine Ausbildung beginnen. Aber oft geht es auch um Familiengrößen in Deutschland. Da meine eine Seite der Familie schon allein 22 Leute umfasst, bin ich mich bei den Ruandern in guter Gesellschaft, bezüglich der Familiengröße.
Nach dem Ende des Gesprächs machten wir uns dann auf den Weg nach Kigali. Unterwegs stoppten wir noch einige Male, da meine Kollegin und unser Fahrer sich mit Kochbananenstauden eindeckten, die in dieser Region sehr gut wachsen und billiger sind, als in der Stadt. Ebenfalls waren wir noch zum Essen eingeladen. Und zwar bei der Familie unserer Haushälterin. Auf dem Hinweg hatten wir nämlich der ihre Tochter mitgenommen, die bei den Verwandten in Ferien bleiben wird. Es gab natürlich leckeren Kochbananeneintopf mit Fleichbrocken.
So, dass war es. Mein Gott wie lang wieder. Leider schaffe ich es einfach nicht alle Details einfließen zu lassen, trotzdem ist es glaube ich ziemlich genau.
Schönen Abend Euch allen, besonders meiner großen Familie;-)!!!
Bis dann
Donnerstag, 19. November 2009
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